Welcher Drawdown ist machbar: die Kennzahlenskala
Welcher Drawdown machbar ist, welche Winrate genügt, welches Risiko pro Trade schon gefährlich ist — für jede Kennzahl gibt es eine Zone, aus der eine Challenge üblicherweise bestanden wird, und eine, aus der sie von der Konstruktion her nicht zu bestehen ist.
Skala
—
Die Grenzen der Zonen sind keine Normen, sondern Folgen der Limits
Keine der Grenzen oben ist aus Empfehlungen übernommen. Jede folgt aus der Arithmetik typischer Limits: eines täglichen von 5 % und eines maximalen von 10 %. Ändern sich die Limits, verschieben sich die Zonen, deshalb liest man die Skala zusammen mit den eigenen Regeln und nicht anstelle von ihnen.
Woher die Grenzen kommen
- Drawdown von 8 % und 10 %
- Das Maximallimit liegt meist bei 10 %. Ein historischer Drawdown in Höhe des Limits bedeutet, dass ein Scheitern eine Frage der Zeit ist und nicht des Glücks. Acht Prozent sind das Limit minus Puffer für Slippage und einen Ausführungsfehler.
- Risiko pro Trade von 1,5 %
- Bei einem Tageslimit von 5 % ergeben drei Trades in Folge zu je 1,5 % 4,5 % — fast das ganze Limit. Über dieser Grenze wird das Tageslimit zur Hauptursache des Scheiterns, was auch das Bestehensmodell zeigt.
- Mittleres R = 1
- Unter eins verlangt eine positive Erwartung eine Winrate über 50 %, und die hält über die Distanz selten. Das ist kein Verbot, sondern eine Anforderung an die Winrate.
- Eine Serie aus 8 Stops
- Bei einer Winrate von etwa 45 % ist eine Serie dieser Länge über die Dauer einer Stufe zu erwarten. Sie setzt den Divisor für das Risiko pro Trade: Tageslimit ÷ Länge der Serie.
Die Kennzahlen sind verbunden, und das ändert den Schluss
Die Kennzahlen einzeln zu betrachten ist sinnlos: eine Winrate von 40 % ist bei R = 1 «schlecht» und bei R = 2,5 völlig brauchbar. Ebenso beim Risiko pro Trade — es lässt sich nur zusammen mit der schlimmsten Serie beurteilen. Deshalb fasst die Skala die Kennzahlen nicht in einer Punktzahl zusammen: eine Punktesumme würde einem Konto ein grünes Urteil geben, das an einer einzelnen konkreten Beschränkung scheitert.
Die praktische Reihenfolge: zuerst die schlimmste Serie aus der eigenen Historie, aus ihr das Risiko pro Trade, dann das Produkt aus Winrate und R zur Prüfung des Vorteils, und erst dann der Drawdown — als Kontrolle, dass die ersten drei richtig gerechnet sind.
Wie man die Skala liest
Die Skala beantwortet eine Frage: fällt Ihr Wert in den Bereich, in dem die Limits einer Challenge erfüllbar sind. Es ist keine Bewertung der Qualität einer Strategie — eine Strategie mit 18 % Drawdown kann für das eigene Konto ausgezeichnet und für eine Challenge mit 10 % Limit nicht machbar sein.
- Die grüne Zone ist kein Ziel, sondern eine Bedingung
- Sie zu erreichen verspricht kein Bestehen: es bedeutet nur, dass die Limits Sie nicht von der Konstruktion her stoppen. Danach entscheidet der Vorteil.
- Die rote Zone ist kein Urteil über die Strategie
- Sie bedeutet Unverträglichkeit mit typischen Limits bei der aktuellen Größe. Eine Verkleinerung der Größe verschiebt Drawdown, Risiko und Serie in die grüne Zone — auf Kosten der Geschwindigkeit.
- Die Grenzen bewegen sich mit den Limits
- Alle Schwellen sind aus typischen 5 % am Tag und 10 % insgesamt abgeleitet. Bei einer Firma mit Limits von 4 % und 8 % sind die Grenzen strenger, und nachrechnen muss man von ihren Zahlen.
Was die Skala nicht zeigt
Sie betrachtet die Kennzahlen einzeln, während das Scheitern meist aus ihrer Kombination kommt — und das ist ihre wichtigste Einschränkung.
Deshalb ist die Skala ein erster Schritt und kein Schluss. Ein Wert in der grünen Zone bei allen fünf Kennzahlen bedeutet, dass man zur Berechnung von Größe und Wahrscheinlichkeit weitergehen sollte; eine rote Zone bei auch nur einer bedeutet, dass vor den Rechnungen die Größe geändert werden muss.
Häufige Fragen
Welcher Drawdown gilt als machbar?
Als Orientierung: ein historischer Drawdown nach eigener Statistik unter 8 % bei einem typischen Maximallimit von 10 %. Ein Drawdown in Höhe des Limits bedeutet, dass das Konto nicht durch Pech verloren geht, sondern von der Konstruktion her: es braucht eine kleinere Größe.
Warum gibt die Skala keine Gesamtpunktzahl?
Weil ein additives Scoring offensichtlich nicht bestehbaren Kombinationen ein grünes Urteil gibt: ein schwaches R wird durch eine gute Winrate ausgeglichen, und die Summe sieht ordentlich aus, obwohl eine Beschränkung gebrochen ist. Jede Kennzahl hat ein Vetorecht, und zeigen muss man sie einzeln.
Was, wenn meine Kennzahl in die gelbe Zone fällt?
Das ist kein Verbot, sondern ein Hinweis darauf, welche andere Kennzahl zu prüfen ist. Eine gelbe Zone bei der Winrate verlangt eine Prüfung von R, eine gelbe beim Risiko eine Prüfung der schlimmsten Serie. Gelbe Zonen gibt es dem Sinn nach zwei: «zu wenig» und «zu viel».
Woher kommen die Grenzen der Zonen selbst?
Aus der Arithmetik typischer Limits: eines täglichen von 5 % und eines maximalen von 10 %. Die Risikogrenze von 1,5 % etwa ist der Punkt, nach dem drei Trades in Folge fast das ganze Tageslimit fressen. Ändern sich die Limits, verschieben sich die Zonen.
Warum fällt eine hohe Winrate in die gelbe Zone?
Weil sie über die Distanz selten vorkommt und häufiger eine kurze Stichprobe oder verborgene große Verluste bedeutet — etwa eine Strategie ohne Stop, bei der es viele Gewinntrades gibt und ein Verlust zehn Gewinnen entspricht.
Warum ist ein hohes mittleres R ebenfalls ein Grund zur Vorsicht?
Weil es meist bedeutet, dass das Ergebnis auf wenigen Trades ruht. Für die Consistency Rule ist das ein direktes Problem: ein großer Trade ergibt einen Tagesanteil über der Obergrenze, und die Auszahlung wird gekürzt.
Welcher Drawdown gilt bei Futures-Programmen als machbar?
Dort sind die Limits oft in Geld gesetzt und in Prozent gerechnet manchmal strenger, und Trailing kommt häufiger vor. Rechnen Sie das Limit in Prozent der Kontogröße um und setzen es ein — die Grenzen der Zonen verschieben sich, die Logik bleibt.
Kann man eine schlechte Kennzahl durch eine gute ausgleichen?
Teilweise und nicht immer. Ein schwaches R wird durch eine hohe Winrate ausgeglichen, weil ihr Produkt zählt. Einen historischen Drawdown über dem Limit gleicht dagegen nichts aus: das ist ein Gate und keine Punktzahl.
Was tun, wenn ich keine Kennzahlen aus der eigenen Historie habe?
Eine Historie aufbauen. Die Skala beurteilt Ihre Zahlen und ersetzt sie nicht: ohne Statistik verwandelt sie sich in eine Sammlung allgemeiner Orientierungen, aus denen sich keine Kaufentscheidung ableiten lässt.
In welcher Reihenfolge betrachtet man die Kennzahlen?
Zuerst die schlimmste Verlustserie — aus ihr folgt das Risiko pro Trade. Dann das Produkt aus Winrate und mittlerem R — es zeigt, ob überhaupt ein Vorteil besteht. Und erst dann der historische Drawdown: er dient als Kontrolle, dass die ersten drei richtig gerechnet sind und zusammenpassen.